Hoch über dem Südwesten Europas…

Wir (Jan, Volker, Birgit, Britta und Dieter als unser erfahrener Führer) haben uns entschieden zusammen vom 17.2. bis zum 21.2.2011 Schneeschuhwanderungen in den winterlich verschneiten Alpen zu machen. So weit der Plan. Dass die parallel in Garmisch-Partenkirchen stattfindende Ski-WM einen ungünstigen Einfluss auf die Winterwetterlage haben sollte, hätten wir uns vielleicht ausrechnen können, haben wir aber nicht. Weißer Winter unterhalb von 1500m ü.NN? Fehlanzeige.

Spontan, resolut und geübt hat Dieter uns noch auf dem letzten Drücker Schnee im Sellrain in den Stubaier Alpen organisiert, wir müssen halt höher hinaus. Ausgangspunkt für drei Tagestouren sollte die Schweinfurter Hütte (in Umhausen/Niederthai, 2028 m) sein.

Die Anfahrt, der Aufstieg zur Hütte und der erste Abend mit Lawinenschulung dienten schon dem ersten Kennenlernen. Die folgenden Eigenschaften stellten sich als typisch für die nächsten Tage heraus:

Alle: Schwatzhaft.

Volker: hin und wieder musste er seine Erdverbundenheit unter Beweis stellen und der Schneekonsistenz mit Ganzkörpereinsatz auf den Grund gehen

Jan: musste die konstante Leistungsfähigkeit der Hüttenküche und des Mobiltelefons prüfen und herausfordern

Birgit: musste hin und wieder einmal durch Zögern von ihrer eigentlichen Leistungsfähigkeit ablenken

Britta: musste hin und wieder mal zeigen, dass das Liegenlassen von Wertgegenständen (Geld, Kamera) die Laufausdauer fördert

Dieter: musste trotz seiner schneeschuhläuferischen Überlegenheit den Mitreisenden eine Chance geben, indem er eine schmerzhafte Knöchelschwellung mitbrachte

 Die Schneeverhältnisse wurden von der Gruppe regelmäßig mittels Schaufel (Schneeprofil und imaginäre Lawinenopfer ausgraben), mittels Stock- und Schneeschuheinsatz (uups, oberschenkeltiefer Schwimmschnee) und Nase (hoppala, schmerzhafter Harschdeckel) getestet. Die besagten Schneeverhältnisse zeigten bedingt durch ein Hoch über dem Südwesten Europas Verbesserungspotenzial. Ausgeprägt launische Harschdeckel und Schwimmschnee darunter waren beizeiten anstrengend und sorgten so für gesegneten Appetit bei den Schneeschuhgehern. Dieter hat uns zwar erklärt, dass die Harschdeckeldicke und -festigkeit im Wesentlichen von Wind- und Sonneneinfluss abhängt, es kamen aber dennoch Gerüchte auf, dass das Einbrechen auch in Abhängigkeit von Körpergewicht, Schneeschuhform und gehässigen Sprüchen auftritt („Kommst Du mit dem Schnee nicht klar?“ „Ich kann nur mit meinem Gewicht nicht umgehen…“ „dann wiege Dich doch ohne Rucksack“). Lachen ist übrigens nicht förderlich für die Koordination von Gliedmaßen.

 Da wir trotz Pulverschneemangels hoch hinauswollten, haben wir uns am postkartenidyllischen, brillant sonnigen Samstag zu einer ungewollt anspruchsvollen (aber auch genau deshalb nicht soooo langen) Tour grob in Richtung Zwieselbacher Roßkogel verleiten lassen. Die Geländesteilheit in Kombination mit Schwimmschnee forderte die Truppe und Dieter wie immer umsichtig informierte sich regelmäßig über die Stimmung. „Wie sieht es mit Deiner Fitness aus?“ „Wenn ich hier so sitze geht es“. Ja, gelacht haben wir häufiger und Lachen ist, wie wir mehrfach feststellten, tatsächlich nicht förderlich für die Koordination von Gliedmaßen. Wenig förderlich war auch, dass sich bei mittäglicher „Hitze“ Eisklumpen an den Schneeschuhen bildeten, die sich nur mühselig wegpickeln ließen („Kannst Du mir mal an die Füße fassen?“).

Volker hat angesichts der Geländesteilheit auf Stunts verzichtet, den Part hat dann purzelnderweise Britta erledigt. Jan hat auch erstmals Respekt vor dem Gefälle bekommen, dann beim Hosenbodenrodeln aber als Erster den Hang getestet.

Gekrönt wurde der Nachmittag schließlich mit Apfelstrudel und dem Spiel „imaginäre-Lawinenopfer-suchen-finden-und-ausgraben“. Mit Apfelstrudel im Bauch retten wir in Hüttennähe „verschüttete“ LVS-Geräte in weniger als 5min. Im Ernstfall sollte man also nicht nur eingeschaltete LVS-Geräte, sondern auch Apfelstrudel bereithalten.

 Am Sonntag stand uns dann der Sinn nach weniger Herausforderung (was das Schneeschuhgehen betrifft). Um genügend Pausen sicher zu gewährleisten hat Jan noch in Sichtweite der Hütte Stopps zum Inspizieren seiner piekenden Socken eingefordert. In diesem Nebental in Richtung Hochreichscharte waren die Schneeverhältnisse besser als am Vortag und die Stimmung ausgelassen. Nicht alle der Sprüche werden hier zitiert um die Gruppe nicht zu diskreditieren oder die Zensur herauszufordern („…bitte nicht fotografieren, sonst landet das im Mitteilungsheft“).

Die Krönung des gelungenen Tages war wiederum die Hüttenverpflegung (Spinatknödel, oberlecker!). Dank üppiger Butterstippe hat Jan erstmals nicht um Nachschlag gebeten. Der letzte Abend verstrich im Nu mit Wetterkunde, Wetterprognosen und Geschwatze. Der Hoch-Einfluss der letzten Tage wich einem Tiefausläufer. Nicht in der Hütte, sondern draußen. Passend zum Ende der Ski-WM fing es nämlich an zu schneien. Dieter hat uns die Zusammenhänge bei bestimmten Wetterlagen erklärt, ich glaube dennoch, dass die Ski-WM nicht ganz unschuldig am zuvor ausbleibenden Schnee war.

Der Abschied von der gastfreundlichen Schweinfurter Hütte erfolgte per Rodel im frisch gefallenen Schnee. Heißa, hoppsassa. Hinab mit Träumen von der nächsten Schneeschuhtour… die am besten nicht zu Zeiten der Olympiade oder anderen Wettkämpfen stattfinden sollte. Denn dann gibt es sicherlich ein Azoren-Hoch.

DAV Setion Celle

Nordwandhalle Hamburg

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